Der Sandhof, zwischen 1163 und 1178 (Ersterwähnung) durch den Mönch Richard am Sandbach weit außerhalb des Dorfes gegründet, bildete als Grangie den Mittelpunkt eines ausgedehnten, seit 1145 dokumentierten und später ausgebauten Besitzkomplexes des Zisterzienserklosters Eberbach im Bereich von Heidesheim und Budenheim wie auch der Wüstungen „Walsheim“ (am Rhein bei Heidenfahrt) und am Honigberg. Ab 1308, dann regelmäßig seit1425 wurde der Wirtschaftshof an Pächter vergeben, die ein hier residierender Konventuale kontrollierte. Die Ringmauer des Hofes bereits nach 1211 erwähnt. Um 1204 Bau einer dem hl. Bernhard geweihten Kapelle (Wallfahrt), die im 17. Jahrhundert, vermutlich dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), neu erbaut und 1806 abgebrochen wurde.

1799 zum französischen Nationalgut erklärt und an Georg Schreiber verpachtet. Nach Versteigerung an Philipp Rauschert, Alzey, und Franz Euler, Speyer, 1806-1809 Besitz des hier verstorbenen Mainzer Musikverlegers Bernhard Schott, seit 1871 bis heute der Müllerfamilie Krebs.

Die gegenwärtige Anordnung der Hofanlage bereits in der Trauttnerschen Karte von 1754 verzeichnet. Das herrenhausartige barocke, im Kern möglicherweise ältere Wohnhaus ein doppelgeschossiger Putzbau unter steilem Krüppelwalmdach (Dachwerk teilweise erneuert). Im Erdgeschoss in Bruchstein-, im Obergeschoss in Backsteinmauerwerk ausgeführt. Fachwerkgiebel. Die gotisierenden Kreuzstockfenster mit Holzgewänden wohl um 1890 eingebaut. Haustürblatt der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert. Ein kleiner eingetiefter tonnengewölbter Keller von der Küche aus zugänglich. Im Innern barocke Treppe mit geschnitzten Pfosten und ausgesägten Balustern; die Türblätter um 1890. Rückwärtig kleinere moderne Anbauten.

Die ehemalige Zehntscheune nordwestlich des Wohnhauses 1808 zur Mühle umgebaut, einst vom (jetzt verrohrten) Sandbach gespeist und bis in die 1930er Jahre in Betrieb. Spätbarocker Bruchsteinbau mit Krüppelwalmdach (Dachstuhl mit Hängewerk). Die Wetterfahne auf schmiedeeisernem Kreuz mit Jesusmonogramm bez. ME 1770. Mühlentechnik und hölzerne Einbauten (Geländer mit Brettbalustern) des 18.19. Jh. Zum großen Teil, ebenso die Knechtstube erhalten. Auf der Ostseite Dachabschleppung über der Kapelle erstellte Wasserhaus mit sehr tiefem Schacht. Am später angebauten ehemaligem Hühnerstall zwei Grenzsteine des Klosters Eberbach (Abtstab) vermauert, einer bez. AE 1754. Beim Hauptgebäude das Backhaus mit Krüppelwalm, später Futterküche. Das südlich den Hofraum begrenzende Kelterhaus im Wesentlichen 18. Jahrhundert Barocker Bruchsteinbau mit westseitigem (spätgotischem?) Schildgiebel (verändert). Auf der freistehenden Geibelseite mit Krüppelwalm ein Torbogen. Großer tonnengewölbter Weinkeller mit rundbogiger Sandsteingliederung. Die Dächer aller Hofgebäude mit alter Biberschwanzdeckung und Schiefesaum. Den Hofraum mit eingefasster Dungkaut durchzieht ein mit Kalkbruchsteinen befestigter Weg.

Den Hof und das umgebende weitläufige, landwirtschaftlich genutzte Gelände (16 Morgen) umgreift eine etwa 800 m lange Ringmauer aus Kalkbruchsteinen, teils noch mittelalterlich und in opus spicatum (Fischgrätenverband) aufgeführt (Turmreste), mit überwiegend gerundetem Verlauf und zwei Einfahrten (ehemals Torbögen); deren nördlicher ursprünglich Haupteingang (Weg zur Rheinüberfahrt nach Erbach im Rheingau). Schlechter baulicher Zustand.

Die bauliche Gesamtlage (Denkmalzone) als einer der am besten erhaltenen und wichtigsten Wirtschaftshöfe des Klosters Eberbach in der Region von landesgeschichtlicher Bedeutung
(verglichen mit: Wahlheimerhof bei Hahnheim). Im Hinblick auf die Befestigung verglichen den Sandhof bei Eich / Kreis Alzey – Worms.

 

Quelle: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland
Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz/Kreis Mainz-Bingen
2007 Wernersche Verlagsgesellschaft mbH, Worms